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Deutsch-jüdische Salonnièren (Teil 1)

Anlässlich ihres diesjährigen

250. Geburtstags

habe ich mir vor kurzem die jüngst erschienene Neuedition der

Biografie Rahel Varnhagens von Hannah Arendt

bestellt (mehr zu diesem Werk in Kürze unter rasch gelesen).

Darum will ich in diesem ersten Artikel meiner geplanten Reihe zum Thema

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

diese bedeutende deutsch-jüdische Salonnière einmal kurz vorstellen.

 

Geboren 1771 als Rahel Levin, eröffnete sie bereits vor ihrer Heirat mit Karl August Varnhagen von Ense einen literarischen Salon, der ihr durch seine Beliebtheit in den 1790er-Jahren zu einer gesellschaftlich etablierten Position verhalf. In seinen Denkwürdigkeiten des eigenen Lebens schreibt ihr Mann, die ebenfalls einen Salon betreibende Freundin seiner Frau, Henriette Herz, habe sich über Rahel stets in den höchsten Tönen lobend geäußert und ihr hohes Ansehen zuteil werden lassen. Kritisiert habe sie lediglich hin und wieder, dass Rahel ihre Gedanken zu offen ausgesprochen und ihre Überzeugungen zu selbstbewusst vertreten habe.

In ihrem Salon waren stets verschiedene Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen anzutreffen. Alle durften die eigenen Ansichten und Gedanken frei artikulieren, lediglich auf Einhaltung der Gebote der Höflichkeit und respektvollen Umgang bestand die Dame des Hauses. Sie ging auf alle Gäste individuell ein und verstand es, potentielle Streitigkeiten bereits im Vorhinein zu verhindern.

 

Innerhalb der Literaturwissenschaft wird Rahel Varnhagens Salon als Höhepunkt in der Entwicklung der klassischen literarischen Salons um 1800 bewertet.

Quellen/Literatur:

Gatter, Nikolaus: Varnhagen von Ense, Rahel. In: NDB 26 (2016), S. 718-720.

 

Rasch, Hanna: Henriette Herz in deutsch-jüdischer Perspektive. 2008, S. 10-11.

 

Varnhagen von Ense, Karl August: Denkwürdigkeiten des eigenen Lebens. In: Henriette Herz in Erinnerungen, Briefen und Zeugnissen. Hrsg. v. Rainer Schmitz. 1984, S. 415-418.

 

 

Wilhelmy, Petra: Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert (1780-1914). 1989.


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